Das L-Schild am Auto ist für manche Verkehrsteilnehmer offenbar eine Einladung zur Ungeduld. Drängeln von hinten, übertriebenes Hupen, abwertende Gesten beim Überholen: Wer gerade lernt zu fahren, bekommt manchmal das Schlechteste der anderen zu spüren. Dabei ist aggressives Verhalten gegenüber Lernfahrenden nicht nur unhöflich, sondern kann den Lernprozess ernsthaft beeinträchtigen und sogar gefährlich werden. Du bist damit nicht allein, und es gibt klare Strategien, wie du damit umgehst.
Warum reagieren manche Fahrer:innen so aggressiv?
Hinter dem Steuer fühlen sich viele Menschen anonym. Das senkt in manchen Köpfen die Hemmschwelle für Verhalten, das sie im Alltag nie zeigen würden. Lernfahrende sind ein leichtes Ziel: Sie fahren vorsichtiger, halten sich an Tempolimits, und brauchen an Kreuzungen vielleicht eine Sekunde länger. Für ungeduldige Fahrer ein Ärgernis. Was sie dabei vergessen: Jede gute Fahrerin und jeder gute Fahrer hat selbst einmal angefangen und war an derselben Stelle. Das Strassenverkehrsgesetz schreibt in Artikel 26 Absatz 2 ausdrücklich vor, gegenüber Kindern, Betagten und erkennbar unsicheren Personen besondere Rücksicht zu nehmen. Lernfahrende fallen klar in diese Kategorie, und wer als erfahrener Fahrer dagegen verstösst, handelt nicht nur rücksichtslos, sondern auch rechtswidrig.
So bleibst du ruhig und sicher
Der wichtigste Grundsatz: Lass dich nicht anstecken. Drängeln bedeutet nicht, dass du zu langsam bist. Es bedeutet, dass die Person hinter dir keine Geduld hat. Das ist ihr Problem, nicht deins. Deine Aufgabe ist es, sicher und regelkonform zu fahren. Hupt jemand oder fährt nah auf, sprich das ruhig mit deiner Fahrlehrerin oder deinem Fahrlehrer an und fahre weiter nach Plan. Auf keinen Fall solltest du aus Druck heraus schneller fahren als sicher oder erlaubt. Das wäre genau der Fehler, auf den ein aggressiver Fahrer hofft. Mit etwas Übung lernst du, solche Situationen auszublenden, und das gelingt erstaunlich schnell.
- Atme tief durch, wenn du Druck von hinten spürst.
- Halte den Blick nach vorne, nicht in den Rückspiegel auf den Drängelnden.
- Fahre nie schneller als du dich sicher fühlst, egal was hinter dir passiert.
- Besprich unangenehme Situationen nach der Fahrt mit deiner Fahrlehrerin oder deinem Fahrlehrer.
- Ignoriere beleidigende Gesten, reagiere nicht zurück.
Was ist rechtlich erlaubt und was nicht?
Wer einen Lernfahrenden so unter Druck setzt, dass ein Unfall entsteht oder entstand, macht sich strafbar. Übermässiges Drängeln gilt als gefährliches Verhalten im Strassenverkehr und kann mit einer Busse oder sogar einem Führerausweisentzug geahndet werden. In der Praxis ist es oft schwierig, solche Vorfälle nachträglich zu melden, aber nicht unmöglich: Wenn du das Kennzeichen, Uhrzeit und Ort notierst, kannst du die Situation bei der Kantonspolizei anzeigen. Wichtiger ist aber, dass du weisst: Du bist im Recht, solange du dich an die Regeln hältst. Niemand darf dich zum Fahren unter Druck zwingen. Sprich mit deinem Fahrlehrer, wenn du solche Situationen wiederholt erlebst, damit ihr gezielt daran arbeiten könnt, wie du in Zukunft damit umgehst.
Häufige Fragen
Darf man als Lernfahrender langsamer fahren als die anderen?
Ja. Du bist verpflichtet, sicher zu fahren, nicht schnell. Wer unter Druck schneller fährt als er oder sie es beherrscht, riskiert einen Unfall. Andere Fahrer müssen Rücksicht nehmen, das schreibt Art. 26 SVG ausdrücklich vor.
Was kann ich tun, wenn mich jemand beim Lernfahren gefährdet?
Notiere nach der Fahrt das Kennzeichen, Uhrzeit und Ort. Schwerwiegende Fälle kannst du bei der Kantonspolizei melden. Deine Fahrlehrerin oder dein Fahrlehrer kann dich dabei beraten, wie du in solchen Situationen reagierst.
Macht das L-Schild Lernfahrende zu einem leichteren Ziel für Aggression?
Leider ja, das zeigen Erfahrungsberichte von Fahrschulen in der ganzen Schweiz. Das L-Schild signalisiert Unsicherheit, was bei ungeduldigen Fahrern Frustration auslösen kann. Mit zunehmender Fahrpraxis und Sicherheit am Steuer werden solche Situationen aber deutlich seltener.