Der Herbst in der Schweiz ist landschaftlich beeindruckend, strassenverkehrstechnisch aber eine echte Herausforderung. Die Kombination aus tiefstehender Sonne, nassem Laub, Nebel, Wildwechsel und früh einsetzender Dunkelheit macht den Oktober und November zu den anspruchsvollsten Fahrmonaten des Jahres. Wer sich nicht darauf vorbereitet, unterschätzt die Gefahren.
Die wichtigsten Herbstgefahren im Überblick
| Gefahr | Warum gefährlich | Konkrete Massnahme |
|---|---|---|
| Nasses Laub | Schmieriger als Schnee, verlängert Bremsweg erheblich | Geschwindigkeit reduzieren, grösserer Abstand |
| Tiefstehende Sonne | Morgens und abends extreme Blendung, Oktober bis November | Sonnenbrille, saubere Windschutzscheibe, langsamer fahren |
| Herbstnebel | Häufig und plötzlich auftretend, Sichtweite drastisch reduziert | Abblendlicht, Geschwindigkeit anpassen, grösserer Abstand |
| Wildwechsel | Hauptwanderungszeit Rehe Oktober/November, besonders bei Dämmerung | Wildwarnschilder beachten, bei Tier bremsen, nicht ausweichen |
| Frühe Dunkelheit | Mehr Fahrten im Dunkeln, Sicht schlechter, Müdigkeit steigt | Abblendlicht, Pausen einplanen, Fahrzeugbeleuchtung prüfen |
| Sommerreifen | Unter 7 °C verliert Sommergummi Haftung stark | Winterreifen ab 7 °C montieren lassen |
Nasses Laub: Unterschätzter Rutschfaktor
Nasses Laub bildet auf dem Asphalt eine schmierige Schicht, die in ihrer Wirkung Glatteis ähnelt. Der Bremsweg verlängert sich erheblich, besonders auf Waldstrassen, Nebenstrassen und in Kurven.[1] Wer mit Sommerreifen auf nassem Laub bremst, erreicht die gleiche Verzögerungsleistung nicht wie auf trockener Fahrbahn. Die Massnahme ist simpel aber wirksam: Geschwindigkeit reduzieren und Abstand deutlich vergrössern, vor allem morgens, wenn das Laub nach einer Regennacht noch feucht ist.
Wildwechsel: Timing ist alles
In der Schweiz werden jährlich rund 20'000 bis 25'000 Wildunfälle registriert.[2] Der Oktober und November sind die kritischsten Monate, weil Rehe und andere Wildtiere in dieser Zeit wandern und Reviere wechseln. Besonders aktiv sind sie in der Dämmerung, also genau dann, wenn Licht und Sicht schwierig sind. Wer ein Wildwarnsignal sieht, fährt langsamer und ist auf plötzliches Ausweichen von Tieren vorbereitet. Wichtig: Im Ernstfall bremsen, nicht ausweichen. Ausweichmanöver auf Landstrassen führen häufiger zu schweren Unfällen als eine Kollision mit dem Tier.
Reifen und Sicht rechtzeitig checken
In der Schweiz gibt es keine gesetzliche Winterreifenpflicht, aber die sogenannte situative Winterreifenpflicht gilt: Wer mit Sommerreifen bei Schnee oder Eis unterwegs ist und einen Unfall verursacht, kann wegen Fahrlässigkeit haftbar gemacht werden.[3] Die Empfehlung lautet: Winterreifen ab 7 °C montieren, da Sommergummi unter dieser Temperatur hart wird und die Haftung deutlich nachlässt. Auch die Scheibenreinigungsanlage und die Heizungsleistung des Fahrzeugs sollten vor dem Winter geprüft werden.
- Abblendlicht bei Nebel, Dämmerung und Regen immer einschalten.
- Windschutzscheibe innen und aussen regelmässig reinigen, besonders für die tiefstehende Sonne.
- Einen Puffer für Fahrzeit einplanen, Bremsweg ist im Herbst länger.
- Auf Wildwarnstrecken Tempo reduzieren und konsequent bremsen, wenn ein Tier auftaucht.
- Reifenwechsel nicht auf den letzten Moment verschieben, Werkstätten sind im Oktober oft ausgebucht.
Wer im Herbst zum ersten Mal alleine fährt, kann die neuen Situationen gezielt mit uns bei Fahrschule Buri üben.
Vorbereitung ist der wichtigste Schutz
Die meisten Herbstunfälle entstehen nicht durch Pech, sondern durch mangelnde Vorbereitung. Wer Reifen zu spät wechselt, die Scheibenreinigungsanlage nicht auffüllt, mit verschmutzter Windschutzscheibe in die tiefstehende Sonne fährt oder auf nassen Waldstrassen dasselbe Tempo wie im Sommer hält, handelt fahrlässig. Eine einfache Herbst-Checkliste für das Fahrzeug dauert 15 Minuten und kann einen Unfall verhindern. Zu den wichtigsten Punkten gehören: Reifenzustand und Reifenwechsel, Scheibenreinigungsanlage nachfüllen, Frontscheibe innen und aussen reinigen, Beleuchtung auf Funktion prüfen und Notfallausrüstung im Kofferraum kontrollieren. Wer sich unsicher fühlt, wie er bei schlechten Herbstbedingungen reagieren soll, kann das gezielt in unseren Fahrstunden bei Fahrschule Buri üben.
Quellen
- TCS Touring Club Schweiz. (2024). Herbst-Tipps für Autofahrende: Sicher durch die Übergangszeit. TCS. https://www.tcs.ch/de/meine-fahrt/tipps-und-ratgeber/jahreszeiten/herbst-tipps.php
- bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung. (2023). Wildunfälle in der Schweiz: Statistik und Prävention. bfu. https://www.bfu.ch/de/ratgeber/strassenverkehr/wildunfaelle
- Bundesamt für Strassen (ASTRA). (2024). Winterbetrieb: Reifen und Fahrzeugausrüstung. Schweizerische Eidgenossenschaft. https://www.astra.admin.ch/astra/de/home/themen/strassenverkehr/winterbetrieb.html
Häufige Fragen
Warum ist nasses Laub auf der Strasse so gefährlich?
Nasses Laub bildet eine glatte Schicht auf dem Asphalt, die den Grip ähnlich reduziert wie Glatteis. Der Bremsweg verlängert sich erheblich. Besonders gefährlich ist nasses Laub in Kurven und auf Gefällstrecken, wo wenig Reaktionszeit bleibt.
Wann muss ich in der Schweiz das Nebellicht einschalten?
Das Nebellicht (vorne) muss bei Sichtweiten unter 50 Metern eingeschaltet werden. Auch die Nebelschlussleuchte (hinten) ist ab 50 Metern Sicht erlaubt. Bei besserer Sicht muss sie ausgeschaltet sein, da sie nachfolgende Fahrer blendet.
Was soll ich tun, wenn mir ein Reh oder ein Hirsch vor das Auto läuft?
Bremsen, hupen und Licht abblenden. Auf keinen Fall stark ausweichen, das ist häufig die Ursache für schwerwiegendere Unfälle. Falls eine Kollision mit einem Wildtier passiert, musst du den Unfall der Polizei melden.