Der Herbst in der Schweiz ist wunderschön. Die Wälder leuchten in Orange und Rot, die Temperaturen werden angenehmer, und die Strassen sind oft noch trocken. Aber genau diese Idylle kann täuschen. Der Herbst bringt eine Kombination von Gefahren, die viele Autofahrerinnen und Autofahrer unterschätzen, bis es zu spät ist.
Nasses Laub, Nebel und Wildwechsel
Nasses Laub auf der Strasse ist tückischer als Schnee. Es entsteht eine schmierige Schicht, die kaum Grip bietet und den Bremsweg erheblich verlängert, ähnlich wie Glatteis. Besonders kritisch sind herbstliche Kurvenfahrten auf Waldstrassen am frühen Morgen, wenn das Laub nach einer Regennacht noch feucht und die Strassentemperatur noch kalt ist. Reduktion der Geschwindigkeit und grösserer Abstand sind die einfachste Gegenmassnahme. Nebel ist ein weiteres Herbstphänomen, das in der Schweiz besonders in Tälern und am Jurafuss häufig vorkommt. Ab einer Sichtweite von unter 200 Metern ist das Nebellicht Pflicht, unter 50 Metern auch die Nebelschlussleuchte. Wichtig: Nebelschlussleuchte nicht bei freier Sicht einschalten, das blendet nachfolgende Fahrer. Und dann ist da noch der Wildwechsel. Oktober und November sind Hauptsaison für Wildunfälle in der Schweiz. Rehe, Hirsche und Füchse sind vor allem in der Dämmerung und bei Nacht aktiv. Auf Waldstrassen und in der Nähe von Feldern solltest du dein Tempo anpassen. Wenn dir ein Tier über die Strasse läuft: bremsen, hupen, Licht abblenden, aber nicht ausweichen, das ist die häufigste Ursache für schwere Unfälle.
Früher dunkel, schlechtere Sicht
Mit der Zeitumstellung Ende Oktober wird es früher dunkel. Viele Pendler, die gewohnt sind, im Hellen heimzufahren, müssen sich neu anpassen. Die Augen brauchen Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Blendung durch Gegenverkehr ist im Herbst besonders problematisch, weil der Sonnenstand tagsüber tief ist und die Sonne direkt in die Windschutzscheibe scheint. Hier helfen:
- Sonnenblende und Sonnenbrille griffbereit haben
- Scheiben von innen und aussen sauber halten (Beschlag und Schmutz verstärken Blendeffekte)
- Scheinwerfer und Rückleuchten auf Funktion prüfen
- Früher losfahren, um nicht unter Zeitdruck in schlechter Sicht zu fahren
Reifenwechsel rechtzeitig erledigen
Die alte Faustformel von Oktober bis Ostern gilt als gute Orientierung für den Wechsel auf Winterreifen. Sobald die Temperaturen regelmässig unter 7 Grad fallen, verliert ein Sommerreifen deutlich an Grip. In der Schweiz gibt es keine gesetzliche Pflicht zu Winterreifen, aber bei einem Unfall mit ungeeigneten Reifen in winterlichen Bedingungen kann die Versicherung die Leistung kürzen. Weitere Tipps zur sicheren Fahrweise lernst du in unseren Fahrstunden, die auch auf defensive Fahrstrategien in schwierigen Bedingungen eingehen.
Häufige Fragen
Warum ist nasses Laub auf der Strasse so gefährlich?
Nasses Laub bildet eine glatte Schicht auf dem Asphalt, die den Grip ähnlich reduziert wie Glatteis. Der Bremsweg verlängert sich erheblich. Besonders gefährlich ist nasses Laub in Kurven und auf Gefällstrecken, wo wenig Reaktionszeit bleibt.
Wann muss ich in der Schweiz das Nebellicht einschalten?
Das Nebellicht (vorne) muss bei Sichtweiten unter 200 Metern eingeschaltet werden. Die Nebelschlussleuchte (hinten) ist erst unter 50 Metern Sicht Pflicht. Bei besserer Sicht muss sie ausgeschaltet sein, da sie nachfolgende Fahrer blendet.
Was soll ich tun, wenn mir ein Reh oder ein Hirsch vor das Auto läuft?
Bremsen, hupen und Licht abblenden. Auf keinen Fall stark ausweichen, das ist häufig die Ursache für schwerwiegendere Unfälle. Falls eine Kollision mit einem Wildtier passiert, musst du den Unfall der Polizei melden.